finding ways feat. claudia black
Mein Vorsatz fürs Jahr

Und nein, der kommt keineswegs verspätet. Wo doch der Januar die Zeit des Umbruchs, der Neubeginne, der langsam aufkeimenden Erkenntnisse und Ideen ist, finde ich, ist es durchaus an der Zeit, JETZT zu beschliessen, was im Jahr getan werden soll - nachdem all das, was sterben musste, sterben konnte und all das, was entstehen soll, zumindest der Idee nach reifen und keimen durfte. Jetzt gilt es, die Keimlinge davon grosszuziehen!

So bin ich heute losgezogen, bewaffnet mit Räuchermaterial (Moschus, Patchouli, Weihrauch, eine ungewöhnliche Mischung für mich, aber sie hat ihren Sinn), ein bisschen Proviant und Opfergaben, einer Kerze und einer Menge Ideen.
Auf dem Weg gab es einen Bach, dort habe ich meine Vorsätze, meine Ideen konkret ausgesprochen und dem Fluss (des Lebens) übergeben. Auch wenn es nur ein Rinnsal war aber das macht keinen Unterschied zu einem Amazonas, finde ich, solange der Wasserlauf natürlich und das Wasser lebendig ist, wird es diesem Ritual absolut gerecht.
Ein Stück Holz als Boot, ein paar Moose und Flechten von einem heruntergestürzten Ast, ein kleiner rosafarbener Stein und eine Kerze, die brannte. Was habe ich alles erzählt? Was ich loslassen möchte, alte Verletzungen, und zwar das davon, das mich noch blockiert, alte Verhaltensmuster, würde ich es jetzt nennen, aber ich hatte eine andere Formulierung dafür. Da kam spontan hervor, dass ich mich nicht mehr blockieren lassen will, dass ich meinen Weg gehen will; ich bezog vieles darauf, dass ich so mancher meiner eigenen Handlungen, Rituale, Erforschungen auf magischem Gebiet und ähnlichem immer noch nicht traue, weil solcherlei Dinge in meinem Elternhaus als so absurd hingestellt wurden, dass ich sie nie glauben konnte. Obwohl ich sie doch mein Leben lang empfand!
Davon wollte ich mich also nicht mehr blockieren lassen, das will ich verabschieden, das und all die anderen bremsenden, negativen Dinge aus der Vergangenheit. Dafür, das war der erste Teil meines Vorsatzes, bin ich aber auch bereit, genauso hart zu arbeiten, wie ich das die ganzen letzten Jahre getan habe!
Der zweite Teil meiner Vorsätze ist, dass ich diesen Weg dann aber auch gehen will. Was nützt es mir, wenn ich einen Weg von Geröll befreie, ihn danach aber nie beschreite?

Mein Pendel kam in den Genuss einer Dusche unter eiskaltem, lebendigem Wasser. Das hat ihm gutgetan. Ich wollte es reinigen von allem, was von vorher an ihm haften mochte; da es mein Pendel ist, darf von seinem Vorbesitzer bzw. von dem, der es mir geschenkt hat, nicht mehr daran sein als dass es ein Geschenk war. Alles andere - sind wir doch zwei verschiedene Personen - stört längerfristig die Arbeit, was ich insbesondere daran gemerkt habe, dass mein Pendel und mein Pentagramm sich nicht so mochten. Klingt nun lapidar... aber beide zugleich bei mir, das hat sich nicht gut angefühlt.
Nach der Reinigung haben sie sich plötzlich doch aufeinander eingestimmt. Ah, das war schön.
Aber anstrengend.

Bei meinem Felsen angekommen, wollte ich zum ersten Mal versuchen, dem gerecht zu werden, was der Felsen für mich bedeutete. Begrüsste unsere Kleinen, sprach aus, dass ich hoffe, dass es ihnen gutgeht. Ich glaube schon, ist doch dieser Ort so beseelt.
Kurz bevor ich unter den Bäumen heraus und auf den Felsen trete, bilden zwei Stämme und ein dichtes Moospolster ein regelrechtes Tor zu meinem eigentlichen Kraftort. Davor bin ich stehengeblieben. Ich weiss nicht mehr, was ich gesagt habe... ich habe wohl um Einlass gebeten und mich zugleich dafür bedankt, dass ich schon so viele Jahre immer wieder hereingelassen wurden.
Heute hatte ich endlich etwas dabei, das ich opfern wollte. Milch, ein Ei, und von meinem Proviant (Karotte, Apfel) habe ich je die Hälfte liegengelassen. Der Fels war wie immer, die Umgebung war wie immer - ich glaube, auf die Resonanz werde ich noch eine Weile warten müssen, aber ich bin gern geduldig.
Es war a*****kalt, ich war schon kurz davor, die geplante Räucherung ausfallen zu lassen. Aber auf dem Felsen friere ich selten wirklich schlimm, so wurde mir auch da eher wieder warm. Also habe ich geräuchert...
Moschus ist mir, als ätherisches Öl, von sehr früher Zeit her vertraut. Als ziemlich kleines Kind habe ich dieses Öl schon verwendet, auf der Suche nach - ich hatte in einer Geschichte davon gelesen - der goldenen Spirale, die ich heute, dem Symbol nach, das sie darstellte, als Urkraft interpretieren würde. Damals hat mir sowas niemand beigebracht, aber ich merkte schon irgendwie, ich bin auf einem ganz guten Weg... nur stimmen die Begriffe noch nicht, die Vorstellung stimmt noch nicht, ich habe es noch nicht erfassen können.
Moschus ist also ein Duft, den ich seit früher Kindheit mit meiner Suche nach meinem Weg und vor allem mit Magie und Ritualen verknüpfe. Ganz egal, wofür er sonst eingesetzt wird - DIESE Bedeutung hat Moschus für mich und wahrscheinlich wird sich daran nie etwas ändern
Patchouli ist nun eine Kraftpflanze für mich... ihr Duft beruhigt, erdet und heilt mich. Mehr muss ich, denke ich, gar nicht erklären...
Weihrauch, dieser besondere Weihrauch jedenfalls, ist wiederum für mich etwas Stärkendes und Ver-Stärkendes. Also eine starke, tragende, vertiefende Basis für die anderen beiden Wirkungsweisen.
Die Mischung ist super, die merke ich mir auf jeden Fall...

Unterwegs, noch vor dem Felsen, hatte ich einmal den Gedanken, dass ich gern einen Coven um mich herum hätte, um zu lernen. Aber nein - wahrscheinlich wäre das nicht gut. Ich kann nicht nach vorgegebenen Mustern lernen. Ich weiss nicht, wann das endlich in meinen Dickschädel hereingeht, dass etwas, das ich lese, erzählt bekomme oder sonst irgendwie an Instruktionen herangerate, mir gar nicht weiter helfen KANN, als dass es mir Hinweise gibt, wie ich dasselbe erreichen könnte. Es KANN aber nicht exakt mein Weg sein. Freiflug bleibt Freiflug, Sturkopf bleibt Sturkopf und meine eigene Seele will eben genau das, was für sie das richtige ist.

Nun erst, mit diesen Erkenntnissen, würde ich mich als Jung-Hexe, als lernende Hexe, sehen. Jetzt, glaube ich, begreife ich allmählich, wo mein Weg ist. Aber ich wette, ich laufe noch ein paarmal an Kreuzungen in die falsche Richtung und wieder zurück und suche dann, wo mein Weg eigentlich hingekommen ist was wäre Lernen denn schon ohne Irrtümer?

28.1.09 18:03
 


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