finding ways feat. claudia black

Ich bin eine ausgemachte Kräuterhexe. Deswegen werde ich hier Wissen rund um Heilkräuter, deren pharmakologische Hintergründe, meine Erfahrungen und - wo ich sie kenne - ihre Anwendung als Räucherung aufschreiben.

Das alles wird mit der Zeit wachsen - die Betonung liegt aber wahrscheinlich auf "mit der Zeit"...

Eure Ergänzungen nehme ich dabei gerne auf! Ob per Email oder als Kommentar (der dann nach Prüfen und Integrieren in den Text halt wieder gelöscht wird), ich sammle gern auch eure Erfahrungen!

 

 

 

 

Spitzwegerich
Plantago lanceolata

Eine Randbemerkung vorneweg: Was auf Spitzwegerich zutrifft, passt, in etwas reduzierter Form, auch beim Breitwegerich. Da Mischformen der beiden durchaus nicht selten sind, ist das wichtig zu wissen; die Wirkung ist zwar beim Breitwegerich etwas schwächer, ansonsten aber vergleichbar.

Familie: Wegerichgewächse - Plantaginaceae
Verwendeter Teil: Das Blatt
Wirkstoffe: Schleimstoffe (Polysaccharide), Iridglycoside, Gerbstoffe
Wirkung und Indikation: Spitzwegerich kennen die meisten wohl als Pflanze gegen Husten. Er entfaltet hier dank der Schleimstoffe eine schützende Wirkung und weist zudem, aufgrund der Gerbstoffe, eine leicht antibakterielle Wirkung auf. Ein Hustensirup bietet sich hier am besten an, Tees entfalten allerdings auch eine gute Wirkung (da es sich hauptsächlich um Schleimstoffe handelt und die bei Hitze zum Zerfallen neigen, lohnt sich ein Kaltauszug). Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und auf der Haut (Umschläge) lassen sich damit auch gut behandeln.
Die wenigsten wissen, dass Spitzwegerich eine gute wundverschliessende Eigenschaft besitzt. Bei kleineren Verletzungen, Mückenstichen, Schürfungen und ähnlichem kann ein Blatt zwischen den Fingern verrieben und der Saft direkt auf die Wunde geträufelt werden. Die antibakterielle Wirkung bremst mögliche Wundinfektionen aus (IMMER ausbluten lassen! Das spült Erreger aus der Wunde), die Schleim- und Gerbstoffe führen gemeinsam zu einem schwärzlichen Schorf, der sehr stabil ist. Achtung, im ersten Moment brennt es stark, ähnlich wie bei Jod oder alten Merfenlösungen.
Kontraindikationen: Keine bekannt.

Meine Erfahrungen mit der Pflanze: Ich kenne sie vor allem als Wundpflaster für unterwegs. Egal, was für eine Schramme ich mir zugezogen habe, sobald die Haut eröffnet ist oder ein Insektenstich mitspielt, packe ich Spitzwegerich drauf. Das hat bei mir bisher immer zu sehr schnellem Wundverschluss geführt.

Spitzwegerich sammeln: Wenn der Winter aus dem Land zieht und das Gras allmählich "weidefähig" hoch wächst, kann der Spitzwegerich gesammelt werden, bis sich die Pflanzenwelt wieder in den Boden zurückzieht und das Gras langsamer wächst. Die intensivste Wirkung entfaltet er allerdings kurz vor der Blüte.

Meine Gedanken zur Pflanze: Die Pflanze selbst ist in meinen Augen recht "persönlichkeitsneutral". Spitzwegerich wächst immer und überall. Er wählt sich also auch keine Menschen aus, die ihm besonders zusagen. Er lindert eben einfach, "wenns brennt".

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Thymian / Quendel
Thymus vulgaris / Thymus serpyllum

Ich fasse Thymian und Quendel zusammen, weil die beiden in der Heilwirkung wie auch optisch derart ähnlich sind, dass sich eine Unterscheidung nur für Botaniker und medizinische Forscher lohnt

Pflanzenfamilie: Laminaceae - Lippenblütler
Verwendeter Teil: Das Kraut
Wirkstoffe: Hauptsächlich die ätherischen Öle Thymol und Carvacrol, daneben Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe.
Indikationen und Wirkung: Thymian ist eine Pflanze für die Atemwege. Bei Erkältungen angefangen und bei Asthma aufgehört, hilft er gegen Bronchialkrämpfe (bei krampfartigem Husten, Asthmaanfällen etc.). Er desinfiziert dank der hohen Konzentration ätherischer Öle, so dass Inhalationen mit Thymian zu einer raschen Besserung von Entzündungen der oberen Atemwege führen und er löst festsitzenden Schleim (ebenfalls aufgrund der äth.Öle). Daneben wird ihm eine Wirkung gegen Muskel- und Nervenschmerzen zugeschrieben, die ich persönlich auf die aufheizende Eigenschaft von Thymian zurückführe. Diese lässt ihm auch in schweisstreibenden Tees eine wichtige Rolle zukommen.
Die Volksmedizin verschreibt ihn, vermutlich wegen der Bitterstoffe, gegen Appetitlosigkeit. Ich kann aus eigener Erfahrung diese Indikation nicht bestätigen.
Thymian kann als Tee, für Bäder, als Inhalation oder als reines ätherisches Öl gegeben werden. Mit letzterem ist aber eine hohe Vorsicht geboten! Es wirkt sehr stark und hat ein paar Nebenwirkungen.
Kontraindikation: Thymol: Das reine ätherische Öl ist bei Herzinsuffizienz und Schwangeren verboten. Thymian als Kraut darf ausser bei Allergien immer gegeben werden.
Die Nebenwirkungen des reinen Thymols sind Leibschmerzen und ein möglicher Kollaps.

Meine persönlichen Erfahrungen damit:
- Bei beginnender Sinusitis habe ich schon sehr oft das Kraut verwendet, um zu inhalieren. Da die ätherischen Öle sehr flüchtig sind, hänge ich mich immer über die Schüssel mit heissem Wasser, sorge dafür, dass das Handtuch dicht schliesst, und gebe erst dann in kleinen Portionen das Thymiankraut dazu. Der Wasserdampf bei einer Inhalation entfaltet eine ähnliche Wirkung wie Fieber im Körper: Die Oberfläche, auf der sich die Erreger ausbreiten wollen, wird plötzlich zu heiss zum Leben, die Reaktionsfähigkeit unseres Immunsystems schnellt aber in die Höhe. Das Ergebnis ist ein Sieg des Körpers. Die ätherischen Öle unterstreichen diese Wirkung und die krampflösenden Eigenschaften des Thymians lassen einen wieder tief durchatmen.
- Ein Freund, der an chronisch rezidivierender (wiederkehrender) Sinusitis leidet, hat durch Inhalationen mit dem ätherischen Öl zunächst gar nichts bewirkt. Ich riet ihm aufgrund meiner Erfahrungen dazu, mit dem Kraut zu inhalieren. Der Erfolg war durchschlagend, zwei Inhalationen bewahrten ihn davor, wieder einmal mit Antibiotika behandeln zu müssen. Innert 3 Tagen war der Infekt besiegt.
- Thymian mit Honig ist das Erkältungsgetränk bei mir. Der Thymian heizt sehr stark auf, Honig weist ebenfalls leicht desinfizierende Eigenschaften auf und ein wunder Hals hat manchmal mit der Konzentration der ätherischen Öle im Thymian arg zu tun, so dass der Honig wie ein schützender und unterstützender Film wirkt.

Thymian sammeln:
Je nach Region sind die Sammelzeiten sehr unterschiedlich. Grundsätzlich gilt, dass das Kraut, das kräftig gewachsen ist und in voller Blüte steht, gesammelt werden kann. Die Triebspitzen sind zu bevorzugen. Die Mittagszeit bis in den späten Nachmittag eignet sich gut; heisse und sonnige Tage sind die besten.
Thymian kann bei bis maximal 35°C getrocknet werden. Darüber verdampfen die ätherischen Öle, ohne die die Droge praktisch wirkungslos wird.
Gesammelt werden kann, bis die Pflanze ihre Energien in den Boden zurückverlagert. Das gilt sowohl für den kühler werdenden Abend als auch für den Jahresverlauf.

Meine Gedanken zur Pflanze:
Thymian und Quendel habe ich oft an hohen Berghängen angetroffen. Wo die Luft schon dünn wird, die Sonne heiss auf einen kargen Hang scheint und ständig ein leichter Wind weht, fühlt sich die Pflanze wohl. Dort fühlte sich die Pflanze für mich auch immer sehr viel kräftiger an als unten im Tal, in Gärten oder ähnliche Umgebungen eingebunden. Das hat mich irgendwann assoziieren lassen, dass die Wirkung auf die Atemwege wohl dort seinen Ursprung hat. Thymian atmet gerne, braucht aber sonst kaum etwas zum Leben, möchte man meinen.
Auf einer Fensterbank steht bei mir auch eine Pflanze. Aber ich wohne im 4. Stock und meine, den Thymian dies geniessen zu sehen. Von allen Pflanzen ist er am kräftigsten und buschigsten geraten.

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Beinwell / Wallwurz
Symphytum officinale

Pflanzenfamilie: Boraginaceae - Borretschgewächse
Verwendet werden Blätter und Wurzeln, wobei ich vermute, dass die Wurzel sinnvoller ist - siehe weiter unten.
Wirkstoffe: In erster Linie kommen Alkaloide zum Tragen. Die innerliche Anwendung ist deshalb mit Vorsicht zu betrachten - ihre stärkste Heilkraft entfaltet sie aber sowieso auf anderen Wegen. Daneben finden sich Allantoin, Inulin, Schleimstoffe, Gerbstoffe und ätherische Öle.
Wirkung und Indikation finden sich in der Behandlung (meist stumpfer) Verletzungen von aussen. Hier beschleunigt Beinwell die Heilung, lindert Reizungen (so wie aktuell die gereizten Gelenke an meinen Wirbeln), wirkt adstringierend (achtung, die meisten Präparate sind nicht für die Anwendung auf offenen Wunden gedacht; hier bietet sich ein konzentrierter Tee als Waschung an), reduziert auf diesem Weg offene Geschwüre und wo Gerbstoffe sind, ist auch eine Wirkung gegen Durchfall beobachtbar - allerdings wirken Alkaloide dieser eher entgegen.
Prellungen, Zerrungen, Stauchungen, Hexenschüsse *g*, aber auch Knochenbrüche (v.a. die Bildung des Knochenkallus wird beschleunigt) sind die bekanntesten Anwendungsgebiete. Tatsächlich ist der Beinwell die einzige mir bekannte Pflanze, deren Wirkung es schafft, bis in die tiefsten Regionen unseres Körpers von aussen einzudringen - das heisst, durch die Haut, das Muskelfleisch und z.B. Gelenke umgebende Gelenkkapseln hindurch oder eben an / in den Knochen hinein. Von dort dürfte sich der Name "Beinwell" auch ableiten (bzw. ist der Volksname Beinwurz sogar noch bezeichnender: Eine Wurzel fürs Gebein). Die Wirkung der meisten anderen Pflanzen "verpufft auf dem Weg" bzw. wird nur in höheren Schichten deutlich.
Des weiteren wird dem Beinwell eine Wirkung gegen Schuppen- und Hautflechten, bei Schleimhautentzündungen, Varizen (kann ich mir gut vorstellen), Ekzemen und bei schlecht heilenden Wunden nachgesagt. Der Wirkstoffkombination nach dürfte da einiges dran sein, allerdings fehlen mir dazu Erfahrungen.

Kontraindikation: Schwangerschaft und Stillzeit.
Bei allen Alkaloidpflanzen gilt Vorsicht mit Schwangeren und Stillenden und Behandlungsverbot bei ganz kleinen Kindern. Die Alkaloide sind in der Lage, einen Abort auszulösen bzw. im gestillten Säugling oder (zu heftigen Reaktionen fähigen) Kleinkind zu ausgesprochen unerwünschten Wirkungen zu führen.
Des weiteren sollte die Pflanze nie für Langzeitbehandlungen eingesetzt werden. Äusserlich spielt das eine weniger tragende Rolle; einen Knochenbruch kann man schon bis zum Ende behandeln. (Einer meiner Dozenten meinte, er hätte schon Knochenbrüche doppelt so schnell wie zu erwarten heilen sehen, weil Beinwell eingesetzt wurde. So gesehen entfällt dann auch die Langzeitbehandlung.)

Ernte und Aufbereitung: März bis Mai oder im Herbst, wenn sich die Pflanze in die Erde zurückzieht, wird die Wurzel gegraben, reinigt sie von anhaftender Erde, zerteilt sie der Länge nach und hängt sie zum Trocknen auf.

Meine Erfahrungen mit der Pflanze beziehen sich auf Knieschmerzen (Wirkung im Gelenk), den aktuellen Hexenschuss, gelegentlich auch tiefsitzende Muskelschmerzen oder ähnliche Überreizungen. Überschüssige Energie in Form von Entzündungen wird entzogen oder eher: In konstruktive Bahnen gelenkt - im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Wiederaufbau ist das, was die Pflanze am besten kann. Beinwell ist stark; man sollte ihn nicht unterschätzen.

Ich kenne die Pflanze als kräftiges, borstiges und vor allem verwurzeltes Wesen. Beinwell ist irgendwie sehr... griffig. Weltlich. Absolut nicht ätherisch, sozusagen. Mir fehlen gerade ein wenig die Worte mir scheint aber, dass sie etwas den Körper Verfestigendes an sich hat, etwas, das die Substanz des Körpers stärkt (aber nicht unbedingt den Stoffwechsel!), das die notwendige Statik sozusagen wiederherstellt, was in meinen Augen durchaus zur Heilwirkung passen würde.
Wie gesagt, da fehlen mir ein wenig die Worte.



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